„Schnerbfl“
Das Oberfränkische Wort des Jahres 2024
Text: Wolf-Dietrich Weissbach
Ein „Schnerbfl“ ist zum Beispiel das abgebundene Endstück der Wurst, das abgebundene obere Ende eines Sackes, oder der Ausgießschnabel an Topf oder Kanne. „Die Jury hat aus meiner Sicht in diesem Jahr eine ganz besondere Auswahl getroffen“, waren sich der oberfränkische Bezirkstagspräsident Henry Schramm und Sternekoch Alexander Herrmann im Rahmen der Verkündung des Oberfränkischen Wort des Jahres 2024 in Wirsberg einig.

„Schnerbfl wird nahezu in ganz Oberfranken verwendet und ist ein herrliches Beispiel dafür, wie lebendig und vielfältig unser Dialekt ist“, so Schramm. Die Jury zur Wahl des Oberfränkischen Wort des Jahres besteht aus der Sprachwissenschaftlerin Dr. Almut König vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, dem Leiter des Oberfränkischen Bauernhofmuseums Bertram Popp, Sabine Hager von extra Radio in Hof sowie Barbara Christoph, der Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken und Florian Bergmann, dem Leiter des Präsidialbüros und der Öffentlichkeitsarbeit beim Bezirk Oberfranken.
Ausgewählt wird das Oberfränkische Wort des Jahres jedes Jahr aus einer großen Anzahl an Vorschlägen, die von der Bevölkerung beim Bezirk Oberfranken eingereicht werden können. „Dabei begegnen uns wirklich tolle Worte, die auch die Jury ab und an überraschen“, so Florian Bergmann stellvertretend für die Jury. „Ein Wort, das zum Beispiel bisher keiner von uns kannte, war „Flöhfangelesärbet“. Der Einsender schrieb dazu: „Flöhfangelesärbet ist eine Arbeit, die sinnlos ist, lange dauert, nichts dabei rauskommt und die man aber trotzdem machen muß“. Dieses Wort vereint viele Elemente, die typisch fränkisch seien, erklärt die Sprachwissenschaftlerin Almut König. Ärbet oder auch Ärwet sei die fränkische Aussprache für die Arbeit, die in Franken aber durchaus positiv belegt ist. Dazu komme die Endung -les, eine typische Endung bei Kinderspielen, wie zum Beispiel bei „Fangeles“. Mit dieser Endung nehme man dem Wort die Schwere und das Belastende.
Der Bezirk Oberfranken kürt seit 2015 jedes Jahr das Oberfränkische Wort des Jahres. Das Wort muß unseren Sprachschatz bereichern und das Gemeinte besonders treffend, originell oder präzise benennen, so die Jury. Und das sind die Oberfränkischen Wörter des Jahres, die diese Kriterien erfüllten wie 2015 das „Wischkästla“ als oberfränkischer Begriff für „Smartphone“, 2016 die oberfränkische Redewendung „a weng weng“ und 2017 „Urigeln“, eine Beschreibung für das Gefühl, wenn kalte Hände langsam auftauen. Im heißen Sommer 2018 wurde „Derschwitzen“ gewählt, 2019 „Sternlaschmeißer“, 2020 „Fregger“ und 2021 „Erpfl“. 2022 machte „waafn“ als Sinnbild für ein Miteinander im Gespräch und das Verbindende des Dialekts das Rennen. Im Jahr 2023 wurde das Meichela – ein Kopftuch – zum Oberfränkischen Wort des Jahres gekürt.